
Der Crash nach oben vor dem Aufschwung nach unten
Wirtschaftsgrippe, Konjunkturpaketfieber, Schweinekrise, Immobilienpest, Bankensterben, Rinderwahnsinn, Steuerwüsten, Abwrackpolitik, Piratenüberfälle, Pleitevögel, der Bundesadler mit Vogelgrippe, der Finanzminister (Per Ouagadougou) mit Steueroasendemenz und Klinsmann als Bayern-Trainer mit allen Symptomen zusammen. Die Zeiten waren wahrlich nicht einfach in den letzten Monaten. Die Weltbörsen als Vorlaufindikatoren eines scheinbar kommenden Aufschwungs sind in den letzten Wochen ausgebrochen nach oben, aber ich würde da wirklich schon von einem Crash „nach oben“ sprechen, welchem das Fundament der Nachhaltigkeit fehlen dürfte. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, wie sich derartig viel positive Phantasie rechtfertigen lässt bei den fundamentalen Rahmenbedingungen und latenten Risiken in unserer vernetzten und beschwichtigten Welt.
G20 – Papierbeschlüsse mit Papiergeld
Den G20 Gipfel bewerte ich aus heutiger Sicht als eine perfekt inszenierte Marketing und Beschwichtigungsveranstaltung für die Bürger der Internationalen Staatengemeinschaften. Nämlich um diese zu Beruhigen, oder besser gesagt zu beschwichtigen.
Dieser Gipfel hat für viele - scheinbar - vollkommen überraschend zu einem sehr schnellen Handeln geführt. Jedenfalls auf dem Papier. Auch die Börsen haben diese Entwicklungen deutlich honoriert und derzeit scheint die Krise somit durch diese Papierbeschlüsse - auch mit viel Papiergeld der großen Industrienationen – beherrschbar zu sein. Aus meiner Sicht wurden diese Entscheidungen vor allem deswegen so schnell und scheinbar ohne kontroverse Diskussionen getroffen, weil die Lage der Weltwirtschaft eben dramatisch ist und es keine anderen Alternativen mehr gab. Gerade auch um weitere Vertrauensverluste, welche zum Systembankrott führen könnten zu verhindern.
Globale Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik)
Ich persönlich fühle mich in vielen Dingen, welche ich von Politikern, Wirtschaftsführen oder anderen Eliten unserer Gesellschaft derzeit wahrnehme beschwichtigt. Also nach dem Motto, das schlimmste ist überstanden, die Krise ist bald vorbei und wann geht es wieder aufwärts. Appeasement-Politk bezeichnet im Allgemeinen die Politik der Zugeständnisse, der Zurückhaltung, der Beschwichtigung und des Entgegenkommens gegenüber Aggressionen (die Finanzmarktkrise und deren Rahmen- und Folgeerscheinungen als Aggressor) zur Vermeidung von Konflikten. Die Ergebnisse, welche der Englische Premierminister Gordon Brown auf dem G20 Gipfel nach so kurzer Zeit abgelesen und vorgetragen hat sind für mich jedoch in meiner Wahrnehmung Beschwichtigung.
Ich warne jedoch vor allem davor, diese überschnelle Entwicklung und deren mögliche Auswirkungen nun zu positiv zu beurteilen. Papier ist geduldig. Aus meiner Sicht wird derzeit viel - durchaus auch positiv zu bewertendes und lobenswertes - theoretisch gesprochen, niedergeschrieben und eben auf Papier gedruckt. Beispielsweise der Maßnahmenplan der G20, Konjunkturpakete oder Hilfspakete für einzelne Branchen oder Firmen. Auch die Bilanzierungspraktiken und Möglichkeiten (speziell der Banken), welche die Ordnungspolitik weiter zulässt sind für mich wirklich ein Witz. Mein Vertrauen in die Systeme schwindet dadurch weiter und ich freue mich eben nicht, dass Banken auf einmal Milliardengewinne machen, nur weil Sie auf einmal anders bilanzieren.
Konjunkturprogrammismus oder Tod
Derartige Maßnahmen sind aus meiner Sicht zu kurzfristig gedacht und werden sich unter Umständen langfristig umso dramatischer rächen. Ebenso werden die weltweiten, politischen Maßnahmen natürlich finanziert durch auf Papier gedrucktes Geld. Aber die Realen, nachhaltigen Effekte oder auch langfristigen Fehlsteuerungsentwicklungen werden erst weit in der Zukunft zu bewerten sein.
Wenn die Maßnahmen greifen, dann wird dass aus meiner Sicht auch nicht zu einem neuen Weltwirtschaftswunder führen, wie mache prophezeien oder besser gar propagandieren, sondern lediglich zur Verhinderung des Totalen Absturzes. Eine Globale Stagnation auf Jahre, mit Deflation - also im Prinzip weltweite, „Japanische Verhältnisse“ - wären dann die Folge. Wenn die Maßnahmen jedoch scheitern müssen Sie mit dem totalen Systemkollaps rechnen, bis hin zu Staatsbankrotten und Währungsreformen. Auch die politischen Auswirkungen werden dann zu spüren sein.
Nach Jahrzehnten einer blühenden Globalisierung und einer Entwicklung der freien Märkte, weniger Staat und mehr Freiheit werden die Regierungen in ihrem Bemühen, die Wirtschaftszyklen wiederzubeleben, ihre Zuständigkeiten aus meiner Sicht weiter deutlich erweitern. Das muss nicht zwangsläufig negativ sein, aber die Gefahren auch für die Freiheit eines jeden einzelnen von uns werden wieder – zumindest in einigen Ländern – zunehmen.
Die geopolitischen Folgen der Finanzkrise
Geopolitik ist die Lehre von der Wechselwirkung geographischer und politischer Gegebenheiten. Die großen Wirtschaftsräume USA, Asien und Europa bilden heute ein so enges Geflecht wechselseitiger Abhängigkeiten wie nie zuvor. Mit dieser Verflechtung vermehren sich die Globalen Risiken, aber natürlich auch die Chancen. Epochale Veränderungen und die Auswirkungen der Globalisierung auf die Finanz-, Gesellschafts- und Lebensbereiche machen dadurch neue, praxisnahe Lösungsansätze und Umsetzungsmodelle erforderlich. Diese sehe ich jedoch nicht. Wer neue Wege geht mit alten Methoden, wird aus meiner Sicht keinen langfristigen und nachhaltigen Erfolg haben. Das ist etwas was ich für mich in meinem bisherigen Leben gelernt habe.
Die derzeitige Krise sollte anders als andere Wirtschaftskrisen der jüngeren Vergangenheit (Neuer Markt, LTCM, Asien Krise, Russland Krise) jedoch in einem größeren Rahmen betrachtet werden. Als die damaligen Blasen platzten, folgte die Geopolitik in allen grundlegenden Aspekten ihren gewohnten Pfaden. Die Weltpolitik basierte weiterhin auf den gleichen Grundsätzen und die Beziehungen zwischen armen und reichen Ländern erfuhren keinen Bruch.
Jetzt erleben wir nicht nur starke Vermögensvernichtungen, sondern auch einen tief greifenden Wandel der Verteilung. Da die Krise aus meiner Sicht vor allem auch in globalen Ungleichgewichten verwurzelt ist, rechne ich durchaus mit der Auflösung dieser Ungleichgewichte und damit auch mit einem zunehmenden Wandel der weltweiten politischen Beziehungen.
G20 = Staatengemeinschafts-Protektionismus?
Gleichzeitig bereitet die angeschlagene Weltwirtschaft für mich auch den Nährboden für Protektionismus und Nationalismus. Das ist auch durch Zahlen – oder aus meiner Sicht Vorlaufindikatoren – belegbar. Seit dem Beginn der Finanzkrise wurden etwa 78 Handelsmaßnahmen vorgeschlagen oder umgesetzt, wovon 66 Handelsbeschränkungen umfassten. Von diesen wurden 47 tatsächlich umgesetzt, unter anderem 17 von den G20 Staaten.
Da diese dramatische Krise die gesamte Welt im Griff hat, sollte aus meiner Sicht auch eine Globale Lösung erfolgen, ich bin aber sehr skeptisch, ob dies funktioniert. Protektionismus und Strategien welche auf Kosten der Nachbarn (also Herr Steinbrücks Weg ist aus meiner Sicht auch eine Art Protektionismus) gehen würde als Alternative jedoch zu Handels- und Wirtschaftskriegen oder mehr Kriegen führen. Auch ein G20-Protektionismus ist dabei der falsche Weg!
Übrigens zu einem meiner letzten Beiträge mit dem Titel: Strategie – Vermögensmanagement ist Krieg hat für einiges – durchaus auch sehr kontroverses – Feedback gesorgt, was ich ja so liebe, da Harmoniebedürftigkeit für mich ein Fremdwort ist.
Darum nochmals die grundlegendsten Aussagen dieser Kunst des Krieges!
+ Im Frieden bereite dich auf den Krieg vor
+ im Krieg bereite dich auf den Frieden vor
+ Die Kunst des Krieges ist für den Staat von entscheidender Bedeutung
+ Sie ist eine Angelegenheit von Leben und Tod, eine Straße die zur Sicherheit oder in den Untergang führt.
+ Deshalb darf sie unter keinen Umständen vernachlässigt werden
Also selbst wenn Sie glauben die Krise ist vorbei und wir haben „Frieden“. Der nächste „Krieg“ kommt bestimmt!
Die Kunst des Krieges finden Sie als PDF zum freien download unter folgendem Link: SUNZI
